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Forstamt

Eight Balls

Cucurbita pepo ‘Eight Ball’

„Eight Ball“ — die Billardkugel als Namensgeber 🎱

Runde dunkelgrüne Eight-Ball-Zucchini an der Pflanze
Andrea Haumer

Beim Poolbillard entscheidet am Ende eine einzige Kugel über Sieg oder Niederlage: die schwarze Acht. Wer sie zu früh versenkt, verliert. Wer sie zum richtigen Zeitpunkt einlocht, gewinnt das Spiel. Die Acht muss als letzte Kugel eingelocht werden. Im Gemüsegarten gilt dasselbe Prinzip. Ernte die ‘Eight Ball’ im richtigen Moment, und du hast gewonnen: eine glänzende, fast schwarzgrüne Kugel mit echtem Zucchini-Geschmack.

Eine glänzende dunkelgrüne ‘Eight Ball’-Zucchini an der Pflanze
Die schwarze Acht, kurz vor dem Einlochen. Andrea Haumer

Eine moderne Erfolgsgeschichte aus Colorado

Anders als ihre toskanische Verwandte, die ‘Tonda chiara di Toscana’, hat die ‘Eight Ball’ keine jahrhundertealte, nebulöse Herkunft. Ihre Geschichte ist jung und gut dokumentiert. Entwickelt wurde sie in den 1990er-Jahren von Hollar Seeds in Colorado. Züchter Larry Hollar arbeitete mit rundem Kürbis-Erbgut, das er international gesammelt hatte. Vier Jahre lang trug er Samen runder Kürbisse aus aller Welt zusammen und kreuzte sie gezielt. Das Ergebnis war eine dunkelgrüne, gleichmäßig kugelrunde Hybride.

1999 folgte der Ritterschlag: der All-America-Selections-Preis. Die AAS-Jury nennt sie die erste dunkelgrüne, runde Zucchini. Erfunden hat Hollar die runde Zucchini aber nicht, denn die Florentiner kannten sie längst. Einen Beleg, dass die Toskanerin Elternteil der ‘Eight Ball’ war, gibt es nicht. Hollar brachte vielmehr eine gezielt gezüchtete, moderne Version auf den Markt, mit Fokus auf Gleichmäßigkeit, kompaktem Wuchs und Ertrag.

F1 — was bedeutet das eigentlich?

„F1“ steht für die erste Filialgeneration, vom lateinischen filius, der Sohn. Eine F1-Hybride entsteht, wenn zwei sorgfältig reingezüchtete Elternlinien gekreuzt werden. Die Nachkommen sind besonders einheitlich und oft wüchsiger als beide Eltern. Der Haken: Samen aus eigener Ernte fallen in der nächsten Generation (F2) bunt auseinander. Für sortenechte Pflanzen musst du also jedes Jahr neues Saatgut kaufen.

Das Spiel geht weiter: Züchtung gegen Mehltau

Mit dem Preis von 1999 war die Geschichte nicht zu Ende. Hollar erweiterte die Serie um weitere „Kugeln“. 2016 veröffentlichten Forscher dann eine neue Generation: ‘One BallPlus’, ‘Six Ball’, ‘Eight BallPlus’ und ‘Cue BallPlus’. Die Zuchtziele waren:

  • Resistenz gegen Echten Mehltau
  • gleichmäßigere Früchte
  • kleinere Blütennarben
  • leichtere Ernte
  • teils Resistenz gegen wichtige Zucchini-Viren

Das sind Verbesserungen für Anbau und Ernte, keine Garantie für besseren Geschmack. Die Arbeit zeigt aber Wirkung. In einem zweijährigen Versuch der University of Kentucky zeigte die ‘Eight Ball’ im zweiten Jahr zusammen mit ‘Mexicana’ deutlich weniger Mehltau als alle anderen getesteten Sorten.

Der offene Buschwuchs einer ‘Eight Ball’-Pflanze mit Blüten und Früchten
Andrea Haumer

Wie die Acht zu ihrem Namen kam

Der Name ist ein Volltreffer. Die Früchte sind kugelrund und so dunkel, dass sie fast schwarz wirken, eben wie die Acht auf dem Billardtisch. Und geerntet wird am besten, wenn die Frucht etwa so groß ist wie eine Billardkugel.

Die ganze Familie spielt mit:

  • ‘Eight Ball’ — dunkelgrün, die „schwarze Acht“
  • ‘Cue Ball’ — blassgrün wie die weiße Spielkugel. Ihre runde Form und helle Farbe erinnern an die weiße Kugel beim Billard
  • ‘One Ball’ — leuchtend gelb, wie die gelbe Eins im Poolbillard

Es gibt sogar fertige Saatmischungen aller drei Sorten, etwa in einer Tüte mit One Ball, Cue Ball und Eight Ball. So liegt ein ganzer Billardtisch im Beet.

Warum sie für mich die Beste ist

Ich habe die ‘Tonda chiara di Toscana’ und die ‘Eight Ball’ nebeneinander angebaut. Meine Stimme geht klar an die Acht:

  1. Echter Zucchini-Geschmack. Sie schmeckt so, wie eine Zucchini schmecken soll, kräftiger als die zarte Toskanerin. Sie erinnert mich an die lange ‘Schwarzwälder’. Das Saatguthaus Fedco hebt hervor, dass sie die Süße und den Kürbisgeschmack mitbringt, die runden Zucchini früher fehlten.
  2. Früh und reichlich. Die AAS gibt rund 35 Tage ab Aussaat bis zur Ernte an.
  3. Kompakt und übersichtlich. Der offene Buschwuchs macht die Früchte gut sichtbar. Die berüchtigte Riesenzucchini unter dem Blatt bleibt die Ausnahme.
  4. Robuster gegen Mehltau als viele andere Sorten, wenn auch nicht immun.

Ehrlich gesagt: Geschmackseindrücke hängen stark von Erntegröße, Standort und Zubereitung ab. Einen kontrollierten Vergleichstest gibt es nicht. Die gelben Sorten sind übrigens milder, fast malvenartig.

So gelingt der Anbau

Aussaat: In Österreich im April oder Mai vorziehen, 1–2 cm tief in Torf- oder Anzuchttöpfe. Die Wurzeln beim Umpflanzen schonen. Ins Freie erst nach dem letzten Frost, meist nach den Eisheiligen. Direktsaat geht auch: rund 2,5 cm tief, sobald keine Frostgefahr mehr besteht.

Abstand: Etwa 60–90 cm, je nach Bedingungen.

Gießen: Von unten gießen, nicht über die Blätter. Nasses Laub ist eine häufige Krankheitsursache.

Bestäubung: Zucchini tragen getrennte männliche und weibliche Blüten. Ohne Bienen keine Früchte. Deshalb setze ich gute Nachbarn dazu:

  • Kapuzinerkresse und Borretsch für Bienen
  • Tagetes und blühenden Dill für Schwebfliegen und Nützlinge
  • Buschbohnen zur Platznutzung

Ernte: Bei 6–8 cm Durchmesser pflücken, wenn die Schale noch zart ist. Regelmäßig ernten, dann kommt ständig Nachschub.

In der Küche: die perfekte Kugel

Die ‘Eight Ball’ ist rundum vielseitig:

  • Gefüllt: Deckel ab, aushöhlen, mit Reis, Kräutern, Käse oder Wurstbrät füllen und backen. Das ausgehöhlte Fruchtfleisch kommt gehackt in die Füllung.
  • Roh: in dünnen Scheiben als Salat oder crudo
  • Gegrillt oder gebraten: in dicken Scheiben
  • Haltbar gemacht: eingelegt oder eingefroren, ein guter Vorrat für den Winter

Dazu liefert sie Vitamin A und C, Magnesium, Folsäure, Cholin und Ballaststoffe.

Mein Fazit

Die ‘Eight Ball’ ist ein moderner Klassiker: gezielt gezüchtet, preisgekrönt und stetig verbessert. Vor allem schmeckt sie nach Zucchini. Wer Geschichte und Zartheit sucht, greift zur Toskanerin. Wer Geschmack, Ertrag und eine unkomplizierte Pflanze will, spielt mit der schwarzen Acht und locht ein.

Quellen: Squash Eight Ball F1 — All-America Selections · Eight Ball Squash — Specialty Produce · Eight Ball Zucchini — Fedco Seeds · Pool Ball Zucchini Mix — J.W. Jung Seed · Susceptibility of Zucchini Cultivars to Powdery Mildew — University of Kentucky

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