Es begann mit einem Zufallsfund, früh im August, am Rand des Botanischen Gartens in Graz.
Ein Österreicher namens Heinrich Hagemann entdeckte im Schatten dieses Gartens eine unscheinbare Pflanze — und legte damit, ohne es zu ahnen, den Grundstein für einen der bekanntesten Gartenstars überhaupt: Rudbeckia fulgida var. sullivantii ‚Goldsturm‘, ein Mitglied der Sonnenhut-Familie. Sein Fund wäre vielleicht ein stilles Detail der Gartengeschichte geblieben, hätte er nicht Dr. Karl Foerster erreicht, Deutschlands legendären Staudenzüchter. Foerster erkannte in diesem bescheidenen „Mauerblümchen“ sofort mehr: die Prachtstaude schlechthin. Robust, resistent, schön, „willig“ und blühfreudig — so beschrieb er sie, und so rückte er sie aus dem Schatten in die Sonne des Ruhms, wo sie bis heute geblieben ist.
Was auf diesen Fotos zu sehen ist, ist genau das, was Foerster damals begeisterte: ein goldener Mantel, bestickt mit schwarzen „Augen“, der sich wie von selbst über die verwelkten Sommerblumen legt. Während der Rest des Gartens sich langsam dem Herbst ergibt, entzündet ‚Goldsturm‘ sein goldenes Feuer — eine Farbe, die nicht schmückt, sondern wärmt, gerade dann, wenn der Garten sie am meisten braucht.
Was sie verlangt
Erstaunlich wenig, für all das.
- Sonne — ein sonniger Platz, mehr braucht es kaum.
- Etwas Kompost — im Frühling zusätzlich Hornspäne.
- Ungerade Zahlen — gruppenweise gepflanzt, am besten in großzügigen Wellen.
- Ein mutiger Rückschnitt im Juni — ruhig bis zu 50 Prozent; sie wird dadurch nur robuster und blühfreudiger.
Dafür dankt sie es mit wochenlanger, unerschütterlicher Blütenpracht. Sie ist standfest, resistent gegen Mehltau und übersteht auch einmal Trockenheit oder Nachlässigkeit ohne Murren.
Der Maßstab
Fast ein Jahrhundert nach jenem Augustmorgen in Graz ist ‚Goldsturm‘ noch immer der Maßstab, an dem sich jede neue Herbststaude messen lassen muss — ein schöner Beweis dafür, dass die spektakulärsten Entdeckungen manchmal genau dort wachsen, wo man sie am wenigsten erwartet: leise, im Schatten.
Und sie ist fleißig: am Forstamt wandern kleine Nachkommen schon hinaus aufs Rondeau und in den Rasen.
Quellen: Karl Foerster · Tracy DiSabato-Aust, The Well-Tended Perennial Garden · Sarastro Stauden