Der Weinheber Flaschenkürbis (mitunter auch Weinheber Kittenberger geschrieben) ist eine traditionelle österreichische Form des Flaschenkürbis (Lagenaria siceraria).
Dem Namen „Kürbis“ zum Trotz handelt es sich um eine Kalebasse: eine wüchsige Kletterpflanze, die seit Jahrtausenden kultiviert wird. Der Name „Weinheber“ kommt von ihrer historischen Verwendung — als natürlicher Schöpfer, um Wein aus dem Fass zu heben.
Ein lebender Tunnel
Unter den einjährigen Klettergemüsen ist er eine der besten Pflanzen für einen lebenden Gartentunnel: Er verbindet starken Wuchs, verlässliches Klettern und eine Ernte, die zugleich zierend und brauchbar ist.
Wer Zucchini kann, kann auch das
Der Weinheber Flaschenkürbis gehört zur selben Familie wie die Zucchini (Cucurbitaceae) und stellt daher ähnliche Ansprüche — er ist allerdings tropischer. Wer Zucchini erfolgreich zieht… zieht meist auch Weinheber, vorausgesetzt:
- Bei kurzen Sommern etwa 3–4 Wochen vor dem letzten Frost drinnen vorziehen.
- Erst auspflanzen, wenn die Nachttemperaturen verlässlich über etwa 10–12 °C liegen.
- Den Ranken eine kräftige Kletterhilfe geben.
In Österreich oder einem ähnlichen mitteleuropäischen Klima gilt: im April drinnen vorziehen, Mitte bis Ende Mai auspflanzen — nach der Frostgefahr. Dann bleibt genug Zeit, damit bis zum Herbst reichlich Kürbisse ausreifen.
Was aus den Kürbissen wird
- Bemalte Hängekürbisse — florale und volkskünstlerische Muster mit Perlen und Kordel.
- Durchbrochene Laternen — Muster einbohren und ein LED-Licht hineinstellen: wunderschöne Lichteffekte.
- Vogelhäuschen — eine der klassischen Verwendungen für Flaschenkürbisse.
- Botanische Motive — Ranken und Blätter, dazu Akzente aus Bindfaden.
- Bunte Volkskunst — kräftige Acrylfarben und feine Muster.
- Fantasiefiguren — Hühner, Eulen, Schneemänner, Wichtel und andere Gestalten.
Wo der „Kittenberger“ hingehört
Der „Weinheber Kittenberger“ steht unmittelbar in der alten österreichischen Weinheber-Tradition, und er ist tatsächlich eine Form von Lagenaria siceraria (Flaschenkürbis / Kalebasse). Er ist im Grunde eine benannte, ausgelesene Form der traditionellen Weinheber-Kalebasse — keine eigene Art. Lagenaria siceraria ist die Art; „Weinheber“ beschreibt die überlieferte Verwendung und die charakteristische Form.
Der Name „Kittenberger“ meint offenbar den Weinheberkürbis Kittenberger, der bis heute als traditionelle Sorte angeboten wird. Eine aktuelle Beschreibung nennt ihn ausdrücklich eine besondere Lagenaria zum Heben von Wein und Most aus dem Fass.
Der typische österreichische Weinheber hat einen langen, schmalen Hals und einen bauchigen, flaschenartigen Körper. Ist die Frucht reif, trocknet das Fruchtfleisch aus, die Außenwand wird hart und holzig — und der Kürbis wird zum Gefäß, ganz von selbst.
- Art — Lagenaria siceraria: Flaschenkürbis, Kalebasse, bottle gourd.
- Traditioneller österreichischer Typ und Gebrauch — Weinheber, auch Zug genannt, in Teilen Niederösterreichs Kellertupfa.
- Benannte Form — Weinheberkürbis „Kittenberger“.
Wozu diente er wirklich?
Der überlieferte Weinheber war ein wunderbar einfaches Stück Kellergerät. Der getrocknete Kürbis wurde an beiden Enden geöffnet und ausgeräumt. Der lange Hals kam ins Weinfass, am anderen Ende wurde gezogen, und der Wein sammelte sich im bauchigen Körper. Kurz: ein natürlicher, wiederverwendbarer Weinschöpfer.
Eine besonders schöne österreichische Quelle hält fest, dass Weinheber in der Steiermark und im Burgenland verwendet wurden; eine andere überliefert den Namen „Kellertupfa“ aus Niederösterreich.
Und die Tradition ist weit älter als Österreich. Lagenaria siceraria dient seit Jahrtausenden als Gefäß. Das Metropolitan Museum verweist auf eine Beschreibung Walahfrid Strabos aus dem 9. Jahrhundert: der Flaschenkürbis wird ausgehöhlt und zu einem Gefäß gemacht, das Wein fassen kann. Auch das Mittelalter kennt ihn — Handschriften des Tacuinum Sanitatis zeigen Lagenaria siceraria gut erkennbar, samt der charakteristischen flaschenförmigen Früchte.
Quellen: Martha’s Gourds · UC ANR Garden Notes