Sie ist kaum größer als ein Tennisball und blassgrün wie junger Salbei. Schon beim ersten Blick zeigt sie, was aus ihr werden will: ein kleines, essbares Schüsselchen. Die ‘Tonda chiara di Toscana’ ist keine gewöhnliche Zucchini. Sie ist ein Stück Florenz, das in jedem Gemüsebeet Platz findet. Hinter ihr steckt eine Geschichte, die zweimal über den Atlantik führt.
Eine Reise über den Atlantik — zweimal
Die Geschichte beginnt nicht in der Toskana, sondern in Amerika. Cucurbita pepo, die Art, zu der alle Zucchini gehören, stammt von dort. Sie wurde schon Jahrtausende vor der Ankunft der Europäer kultiviert. Nach 1492 gelangten die amerikanischen Kürbisse im Zuge des großen botanischen Austauschs nach Europa.
In Italien fanden sie schnell begeisterte Abnehmer. Schon Mitte des 16. Jahrhunderts verarbeiteten italienische Köche junge wie reife Früchte. Über die Jahrhunderte wählten Gärtner Pflanzen nach Form, Farbe, Wuchs und Verwendung aus. Die typische walzenförmige Zucchini, die wir heute kennen, entstand im 19. Jahrhundert rund um Mailand.
Parallel dazu wuchs in der Toskana eine runde Variante heran. Die regionale Genusserbe-Initiative Vetrina Toscana nennt als traditionelles Anbaugebiet das Valdarno und das Umland von Florenz, in den Provinzen Arezzo und Florenz. Eines muss man ehrlich sagen: Die Geschichte der Zucchini insgesamt ist weit besser dokumentiert als die dieser Sorte. Wer sie ursprünglich gezüchtet hat, weiß niemand.
Was steckt im Namen?
Der Name ist eigentlich eine kleine Beschreibung:
- tonda — rund
- chiara — hell, blass
- di Toscana — aus der Toskana
Die Toskaner selbst kennen sie unter vielen Namen: Zucchina tonda fiorentina, Zucchino tondo di Firenze oder schlicht Zucchine da far ripiene, „Zucchini zum Füllen“. Der Gartenbauautor Tesi beschrieb die Sorte 1987 als ‘Tonda chiara di Toscana’, auch bekannt als ‘Tondo di Firenze’.
Spannend ist die Herkunft des Wortes „Zucchino“. Es ist die Verkleinerungsform von zucca, Kürbis, also wörtlich „Kürbischen“. Ein toskanisches Botanik-Wörterbuch von 1809 verwendete es noch für kleine, getrocknete Flaschenkürbisse, die als Tabakdosen dienten. Erst in den 1840er-Jahren bezeichneten toskanische Kochbücher damit die jungen, essbaren Früchte. Mit der Vereinheitlichung der italienischen Sprache verdrängte „Zucchini“ viele regionale Begriffe. Anfang des 20. Jahrhunderts reiste das Wort dann zurück nach Amerika, genau entgegengesetzt zu seinen Vorfahren.
Ein Stück Toskana im Garten
Runde Zucchini liegen im Trend, und die ‘Tonda chiara di Toscana’ ist ihre traditionsreiche Vertreterin. Austrosaat führt sie im Sortiment 2026 als runde, mittelgrüne Rarität mit kurzen Ranken (Art.-Nr. 3095, reicht für etwa 10 Pflanzen). Im selben Regal liegen moderne F1-Hybriden wie ‘Eight Ball’ und ‘Gold Rush’.
Gerade der Vergleich mit ‘Eight Ball’ ist interessant. Die dunkelgrüne US-Hybride wurde in den 1990er-Jahren in Colorado gezüchtet und 1999 mit dem All-America-Selections-Preis ausgezeichnet. Die runde Zucchini hat sie aber nicht erfunden, das hatten die Florentiner längst erledigt. Einen Beleg, dass die Toskanerin Elternteil von ‘Eight Ball’ ist, gibt es übrigens nicht.
So gelingt der Anbau
Aussaat: In Österreich im April oder Mai geschützt vorziehen, etwa 2–3 cm tief in Töpfe. Erst nach dem letzten Frost ins Freie setzen, meist nach den Eisheiligen Mitte Mai. Die Wurzeln beim Umpflanzen schonen.
Platz: Rechne mit rund einem Meter pro Pflanze, je nach Saatgutlinie 90–120 cm. In alten toskanischen Beständen gab es zwei Wuchsformen: eine mit einem einzigen, bis zu fünf Meter langen Trieb, die andere mit vier bis fünf kürzeren, ertragreicheren Trieben. Heutige Handelssaaten sind weiter selektiert. Meine Pflanzen sind nie fünf Meter gelaufen und haben einen Zwei-Personen-Haushalt von Juli bis September zuverlässig versorgt.
Blüte ist nicht gleich Frucht: Zucchini tragen männliche und weibliche Blüten an derselben Pflanze. Fehlt die Bestäubung, verkümmern die jungen Früchte. Das passiert besonders früh in der Saison, wenn noch wenig Pollen da ist.
Mehltau im Blick behalten: Die Sorte gilt als anfällig für Echten Mehltau und Viren. Bei mir kam er in der zweiten Saisonhälfte. Geholfen haben mir:
- ausreichend Abstand und gute Luftzirkulation
- ältere Blätter zurückschneiden
- gleichmäßig und von unten gießen, nicht über die Blätter
Gute Nachbarn: Kapuzinerkresse, Borretsch, Tagetes, Buschbohnen und blühender Dill locken Bienen und Nützlinge an. Mein Lieblingsbeet für eine Pflanze: zwei Kapuzinerkressen, zwei kompakte Tagetes, ein Borretsch und Dill in der Nähe. Die Begleiter gehören an den Rand, nicht mitten ins Laub.
Ernte: Jung ernten, bevor die Samen groß werden. Tennisballgröße ist schon fast zu groß, ideal sind etwa 6–8 cm Durchmesser. Regelmäßiges Pflücken fördert neue Früchte. Das Schöne an der runden Form: Man übersieht kaum eine Frucht. Die berüchtigte Monster-Zucchini unter dem Blatt bleibt einem also meist erspart.
Zart, mild, gefüllt: So schmeckt sie
Jung geerntet ist die ‘Tonda chiara di Toscana’ zart, mild und dezent süßlich. Ihre salbeigrüne Schale ist besonders fein. Sie drängt sich nicht auf, sondern nimmt Olivenöl, Knoblauch, Basilikum, Minze und Parmesan dankbar auf.
Fünf Gründe, warum Köche sie lieben:
- Ein essbares Schüsselchen: Deckel abschneiden, aushöhlen, mit Reis, Kräutern, Gemüse, Fleisch oder Käse füllen und im Ganzen backen.
- Ein milder Teamplayer: Sie trägt andere Aromen, statt sie zu überdecken.
- Ein Hingucker auf dem Teller: Als vegetarischer Hauptgang oder als Beilage zu Fisch und Fleisch.
- Nichts wird verschwendet: Das ausgehöhlte Fruchtfleisch wandert fein gehackt in die Füllung.
- Frische schlägt alles: Aus dem eigenen Garten erntest du genau die Größe, die dein Rezept braucht.
Sie schmeckt auch roh als crudo, in Scheiben pochiert oder gebraten.
Mein ehrliches Fazit
Ich mag die Toskanerin für ihre Geschichte, ihre Form und ihre Zartheit. Geschmacklich hat bei mir aber ‘Eight Ball’ die Nase vorn: Sie hat mehr „Zucchini-Geschmack“ und erinnert mich an lange Sorten wie die ‘Schwarzwälder’. Die gelben Runden sind noch milder, fast malvenartig. Am Ende entscheiden Erntegröße, Standort und Zubereitung mehr als die Sorte allein. Warum also nicht beide anbauen und selbst vergleichen?
Quelle: Tesi, R. (1987). La coltivazione delle ortive in serra: zucca da zucchini. L’Italia Agricola, 124(3), 109–116.