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Forstamt

Teller-Dahlien

Dahlia × hortensis

Teller-Dahlien kredenzen Sommer bis Spätherbst

Rosa Teller-Dahlien vor dem Bergmassiv
Andrea Haumer

Eine Knolle. Ein ganzer Sommer Theater. Kaum zu glauben, dass die braune Knolle in deiner Hand so etwas hervorbringen kann. Es gibt Blumen, die man pflanzt, weil sie nützlich sind, und Blumen, die man pflanzt, weil sie sich gut benehmen. Und dann gibt es Dahlien.

Dahlien blühen vom Hochsommer bis zum ersten Frost im Spätherbst. Die größte unter ihnen ist die Teller-Dahlie, und von ihr handelt diese Geschichte — allen voran von ‘Café au Lait’ und ihrer rosa Cousine ‘Café au Lait Rosé’.

Eine cremeweiße Dahlie mit lila Rändern vor türkis gestrichenen Holzstäben
‘Café au Lait’ an ihrem Stab Andrea Haumer

Was eine Teller-Dahlie ist

Der Name ist hängen geblieben, weil er stimmt: Die Blüten sind so groß wie ein Teller. In den offiziellen Dahlienklassen kommt er nicht vor; dort heißen diese Sorten „Riesen“ oder Klasse AA, Blüten ab etwa 25 cm Durchmesser. Im Deutschen sagt man Tellerdahlie oder Riesendahlie, in den Katalogen steht beides.

Dahlien gibt es in sehr verschiedenen Höhen, und das zählt bei der Wahl für Beet, Topf oder Rabatte. Austrosaat führt im Frühjahrssortiment hohe und niedrige Dahlien, als Knollen, nicht als Samen. Die Schmuck-Dahlie ‘Eveline’ etwa, weiß mit lila Herz, wird 100 cm hoch und blüht von Juli bis Oktober (Art.-Nr. 110).

Wenn du mit einer Sorte anfängst, dann mit einer außergewöhnlichen: ‘Café au Lait’ in Apricot und Creme oder ‘Café au Lait Rosé’. Zum Kontrast eine zweite, kleinere — Pompon-Dahlien in Juwelenfarben, die sich gut schneiden lassen. Die Mischung macht das Drama.

Woher der Name kommt

Anders Dahl (1751–1789) war ein schwedischer Botaniker und Arzt, Schüler von Carl von Linné in Uppsala. Er hat nie eine Dahlie gesehen; er starb mit 38. Die Pflanzen selbst wurden von den Azteken kultiviert, von spanischen Entdeckern beschrieben und kamen 1789 aus Mexiko nach Madrid.

1791 beschrieb Antonio José Cavanilles, Direktor des Botanischen Gartens in Madrid, die aus mexikanischem Samen gezogenen Pflanzen und benannte die Gattung nach Dahl, eine Ehrung für ihn und die Schule Linnés. Nach Deutschland kamen die Dahlien 1805 und wurden dort nach dem Naturforscher Johann Gottlieb Georgi „Georginen“ genannt; in Österreich hört man das Wort noch heute.

Botanisch ist es einfach: Gattung Dahlia, Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die Gartendahlien sind Hybriden, meist als Dahlia × hortensis geführt, in älteren Büchern auch als Dahlia variabilis oder Dahlia pinnata. Eine Sorte schreibt man Dahlia ‘Café au Lait’.

Ihre Vielfalt steckt in den Genen. Dahlien tragen acht Chromosomensätze, wo die meisten Pflanzen zwei haben; jeder Sämling kann in Farbe, Größe und Form völlig anders ausfallen. Züchter säen Tausende Samen, behalten die seltenen Ausnahmen und vermehren sie über Knollen oder Stecklinge, damit sie gleich bleiben. So wurden aus einer Handvoll wilder mexikanischer Arten Zehntausende Sorten.

Von der Schaublume zur Hochzeitsblume

Riesige Dahlien sind nichts Neues. In den 1830er- und 1840er-Jahren erlebte England eine regelrechte Dahlienmanie mit Vereinen, Schauen und hohen Preisen für neue Sorten. Züchter in England, den Niederlanden und den USA wetteiferten um immer größere Blüten, und „Riese“ wurde eine eigene Schauklasse. Klassiker wie ‘Kelvin Floodlight’ (gelb) und ‘Thomas Edison’ (violett) gab es lange, bevor Hochzeiten Dahlien modern machten.

‘Café au Lait’ kam viel später. Sie wurde von der niederländischen Gärtnerei Bruidegom in Baarn gezüchtet und 1968 eingeführt, manche Quellen sagen 1966 oder 1967: eine informelle Schmuck-Dahlie mit Blüten bis 25 cm. Jahrzehntelang war sie eine gute Gartendahlie, aber kein Star; große Schmuck-Dahlien galten als altmodische Schaublumen.

Der Ruhm kam über Martha Stewart. Nach einem Beitrag in Martha Stewart Weddings war die Sorte ausverkauft; Floristen erkannten, dass ihr Kaffee-und-Rosé-Ton zum gedämpften, romantischen Brautstraußstil passte. In den 2010er-Jahren machten kleine Schnittblumenfarmen und Instagram sie zur Hochzeitsblume schlechthin, rund 40 Jahre nach ihrer Einführung. 2021 berichtete Bloomberg, dass die Nachfrage in den USA zeitweise kaum zu decken war.

Eine große rosa Teller-Dahlie, dahinter Garten und Felswand
‘Café au Lait Rosé’ Andrea Haumer

‘Rosé’, ‘Royal’, ‘Supreme’ und ‘Twist’ sind keine Kreuzungen, sondern Sports: Farbmutationen, die an einzelnen Knollen von ‘Café au Lait’ auftraten. Die meisten Gärtner werfen solche Knollen weg; niederländische Züchter haben sie behalten und vermehrt. Wer welche Variante eingeführt hat, ist in den Quellen nicht einheitlich, genannt werden Van Schie und J. van der Linden & Zonen. Sie wachsen und blühen wie das Original, nur die Farbe ist anders.

Der Boom hat die Teller-Dahlien nicht erfunden. Er hat das Interesse an Blumen wiederbelebt, an denen Züchter seit über 150 Jahren arbeiten. Gärtnereien holten die Riesen hervor, die sie längst hatten — ‘Penhill Watermelon’, ‘Otto’s Thrill’, ‘Labyrinth’, ‘Emory Paul’ — und züchteten in die Richtung, die sich verkaufte: Blush, Pfirsich, Kaffee und „antike“ Töne.

Wo sie wachsen und mit wem

Mit einer endlosen Palette an Farben, Formen und Größen finden Dahlien überall einen Platz, vom Topf bis zum Beet bis zu langen Reihen. Klug ist es trotzdem, sie nicht zu dicht in eine Staudenrabatte zu mischen, denn beim ersten Frost müssen sie einzeln ausgegraben werden. Viele Gärtner, ich auch, geben ihnen eine eigene Reihe, gemischt mit anderen Dahliensorten. Das macht die Pflege leichter: Stützen, Ausputzen, jedes Jahr Pflanzen und Ausgraben.

Auch Monet wusste um ihre Wirkung; in Giverny stehen Dahlien bis heute im Garten. Bei uns stehen hinter der Dahlienreihe die Rudbeckien, und zur Cosmea passt ‘Café au Lait’ besonders gut.

Als Nebendarsteller eignen sich kleinere Sorten: ‘Moor Place’ (dunkelrote Pompon), ‘Franz Kafka’ (rosa Pompon) oder eine Pompon-Mischung. Aus Österreich kommen die ‘Hapet’-Sorten von Peter Haslhofer (Peters Dahlien). Eine Warnung: Die beliebten Sorten sind in der Saison schnell ausverkauft, und niemand bleibt lange bei nur einer Dahlie.

Beet vorbereiten

Dahlien wollen nahrhaften Boden und zugleich gute Drainage. Sarah Raven setzt ihre Dahlien in Perch Hill mit etwa 50 cm Abstand und arbeitet reichlich Splitt und Mist ein. Schweren Lehmboden lockerst du mit Sand oder Perlit, dazu verrotteter Mist, aber nicht zu viel. Unkraut und Gras vorher entfernen; Kompost hilft Sandboden, Wasser zu halten, und Lehmboden, es abzuleiten. Und nicht in kalte, nasse Erde pflanzen: Die Knolle bleibt dann zu lange untätig und fault leicht.

Schnecken

Schnecken sind die Plage jedes Dahliengärtners. Sie ersticken eine Blütenpracht im Keim, ganz wörtlich, weil sie die jungen Triebe fressen. Jeder hat seine Methode, Körner oder Kragen. Bei mir, in meinem Klima, hat sich Geduld bewährt: Ich halte die Dahlien im Glashaus, bis sie kräftige Grundblätter haben, und pflanze erst aus, wenn der zarte Jungwuchs, den Schnecken am liebsten mögen, derberem, ledrigem Laub gewichen ist. Dann sind die Pflanzen etabliert, und die Schnecken suchen ihr Abendessen woanders.

Ausputzen

Ausputzen muss sein, und ich habe es lieben gelernt. Verblühtes abschneiden lenkt die Kraft der Pflanze in neue Knospen, so blüht sie bis zum ersten Frost. Alte Köpfe werden braun und matschig, und gerade bei Teller-Dahlien sind sie so groß, dass sie die frischen Blüten daneben beeinträchtigen.

Ich werfe sie nicht weg, sondern lasse sie unter den Pflanzen liegen, wo sie als Mulch verrotten und den Boden füttern. An einem ruhigen Abend mit der Schere von Pflanze zu Pflanze: Das fühlt sich kaum wie Arbeit an.

Stützen

Gerade Teller-Dahlien brauchen Halt. Die Stäbe kommen am besten gleich beim Pflanzen der Knollen in die Erde. Ich verwende bemalte Stäbe, eine Idee aus meiner Nachbildung eines Blue Stick Garden: Claude Cormier hat ihn 2000 für das erste Internationale Gartenfestival in den Reford Gardens in Québec entworfen, aus Holzstäben mit drei blauen Seiten und einer orangen, sodass die Farbe wechselt, je nachdem, von wo man schaut (CCxA). Die bunten Stäbe funktionieren sehr gut, denn die Stäbe sind die Achillesferse jeder Dahlienpräsentation.

Überwintern

In kühleren Lagen müssen Dahlien am Ende der Saison aus der Erde. Die meisten warten, bis der erste Frost das Laub geschwärzt hat, manche heben sie etwas früher. Dahlien im Topf brauchen dieselbe Pflege; ein Topf schützt nicht wirklich, gefrorene Knollen überleben nicht. Staunässe mögen sie auch nicht, in kalter, nasser Erde faulen die Knollen.

Es ist harte Arbeit und der wohl unglamouröseste Teil, aber es muss sein. Die Knollen werden ausgegraben, abgetrocknet und in ein Lagermedium gepackt; ich nehme Sägespäne, andere Erde. Dann kommen sie an einen kühlen, luftigen, frostfreien Ort bis zum Frühjahr.

Teilen und beschriften

Dahlien wachsen aus Knollen, dem Speicher der Pflanze, und über den Sommer bilden sie neue; der Stock wird jedes Jahr größer. Teilen bringt mehr Pflanzen, auch wenn ich zugebe, dass ich darin nicht besonders begabt bin. Zum Glück zeigen viele fähige Gärtner in Podcasts und Clips genau, wie es geht.

Entscheidend ist, nicht das Falsche abzuschneiden: Jedes Stück braucht ein Stück vom alten Stängel, dort bilden sich die neuen Triebe, sonst wächst nichts. Und alles beschriften, was du teilst, denn früher oder später verlieren wir alle den Überblick. Die Etiketten verraten auch, welche Sorten gedeihen und welche still verschwinden. Ohne sie stehst du eines Tages vor einem Meer weißer Dahlien und fragst dich, wo die besondere geblieben ist, die du gekauft hast.

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